Viele Projektsteuerer in Kiel unterschätzen die Weichschichten der Förde-Region und verlassen sich auf veraltete Bodenkennwerte. Ein zu optimistisch angesetzter Spitzendruck führt schnell zu unerwarteten Setzungen, die im Nachhinein teurer werden als ein sauberes Vorab-Gutachten. Genau hier setzt der CPT an: eine elektrische Drucksonde, die lagenweise Spitzendruck, Mantelreibung und Porenwasserdruck aufzeichnet. Anders als diskontinuierliche Aufschlüsse liefert die Sondierung ein quasi-kontinuierliches Profil, mit dem wir Tragfähigkeit und Schichtwechsel metergenau erkennen. In Kombination mit einer SPT-Bohrung lassen sich die Ergebnisse an gestörten Proben kalibrieren, oder wir ziehen ergänzend eine Schürfgrube heran, wenn oberflächennah Wurzelwerk oder Auffüllungen die Sondierergebnisse verfälschen könnten.
Ein Meter unerwarteter Klei in der Gründungssohle kostet in Kiel mehr als drei CPT-Sondierungen zur rechten Zeit.
Örtliche Baugrundfaktoren
Kiel liegt mit 54,32° nördlicher Breite auf Höhe des 58. Breitengrades, und die winterlichen Sturmfluten drücken regelmäßig salzhaltiges Grundwasser in die quartären Sande der Niederung – ein elektrochemisch aggressives Milieu für Stahlbeton. Ohne CPT-basierte Porenwasseranalyse unterschätzt man leicht die Expositionsklasse und wählt eine ungeeignete Betonrezeptur. Noch kritischer sind die organischen Weichschichten der ehemaligen Förde-Verländerung: Schon 0,5 m Torf unter einer scheinbar steifen Deckschicht halbieren die zulässige Sohlspannung. Ein Baugrundgutachten, das ausschließlich auf Rammkernsondierungen fußt, übersieht solche Lagen häufig. Die Folge sind Setzungsdifferenzen zwischen tragenden und nichttragenden Bauteilen, die Rissbilder in Mauerwerk und Leitungen nach sich ziehen. Mit dem CPT als durchgängigem Profilschnitt erkennen wir die Basis der Weichschicht auf den Zentimeter genau und können die Gründung entsprechend abtiefen oder mit Rüttelverdichtung nachverdichten lassen.