Gemeinsam lösen wir die Herausforderungen von morgen.
MEHR ERFAHREN →Die Straßenbaugeotechnik bildet das Fundament jeder nachhaltigen Verkehrsinfrastruktur in Kiel. Sie umfasst alle bodenmechanischen und erdbautechnischen Fragestellungen, die bei der Planung, Konstruktion und Instandhaltung von Straßen, Wegen und Plätzen auftreten. In der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt mit ihrem maritimen Klima und den anspruchsvollen Untergrundverhältnissen ist eine fundierte geotechnische Bearbeitung unverzichtbar, um wirtschaftliche und langlebige Verkehrsflächen zu gewährleisten. Von der klassischen Dimensionierung über spezielle Laboruntersuchungen bis hin zur Qualitätssicherung im Erdbau deckt diese Disziplin alle Leistungsphasen ab, die für standsichere und gebrauchstaugliche Fahrbahnkonstruktionen erforderlich sind.
Die geologischen Bedingungen in Kiel sind maßgeblich durch die letzte Eiszeit geprägt. Weit verbreitet finden sich Geschiebemergel und -lehme, die zwar oft eine gute Tragfähigkeit aufweisen, aber stark wasserempfindlich und zu Frosthebungen neigen. In den Niederungen entlang der Kieler Förde und ihrer Zuflüsse dominieren dagegen organische Weichschichten wie Klei und Torf, die eine extrem geringe Tragfähigkeit besitzen und erhebliche Setzungen verursachen können. Hinzu kommen örtlich aufgefüllte Böden mit heterogener Zusammensetzung, die eine besondere Herausforderung für die Gründung von Verkehrswegen darstellen. Diese kleinräumig wechselnden Verhältnisse erfordern eine detaillierte Erkundung und eine darauf abgestimmte Bemessung des Straßenoberbaus.
Die fachgerechte Ausführung richtet sich in Deutschland nach einem klar strukturierten technischen Regelwerk. Zentral sind die Zusätzlichen Technischen Vertragsbedingungen und Richtlinien für Erdarbeiten im Straßenbau (ZTV E-StB) sowie die Richtlinien für die Standardisierung des Oberbaus von Verkehrsflächen (RStO). Für die rechnerische Dimensionierung von Fahrbahnbefestigungen sind die CBR-Studie für Straßenentwurf und die zugehörige Prüfvorschrift nach DIN 18134 maßgebend, um die Tragfähigkeit des Untergrundes zu klassifizieren. Ergänzend regeln die ZTV SoB-StB die Anforderungen an Schichten ohne Bindemittel und die ZTV Asphalt-StB die Qualität des Asphalteinbaus. Die Einhaltung dieser Normen ist nicht nur für die technische Qualität, sondern auch für die Gewährleistung und Verkehrssicherungspflicht von entscheidender Bedeutung.
Die Bandbreite der Projekte, die eine straßenbaugeotechnische Begleitung erfordern, ist in Kiel vielfältig. Sie reicht von der Erschließung neuer Wohn- und Gewerbegebiete, bei der die Bemessung flexibler Fahrbahnen für Anliegerstraßen im Vordergrund steht, über den Ausbau von Hauptverkehrsachsen mit lärmmindernden Asphaltdeckschichten bis hin zur Sanierung von innerstädtischen Knotenpunkten. Auch die Planung von Busspuren und Radwegen auf ehemaligen Bahntrassen oder die Herstellung von Schwerlastflächen in Hafengebieten, wo oft eine Bemessung starrer Fahrbahnen aus Beton die wirtschaftlichere Lösung darstellt, sind typische Anwendungsfälle. Entscheidend ist in jedem Fall die Anpassung des Bauverfahrens an die örtlich angetroffenen Boden- und Grundwasserverhältnisse, um Folgeschäden wie Spurrinnen oder Frostaufbrüche zu vermeiden.
Flexible Fahrbahnen bestehen aus Asphaltschichten, die Lasten durch Verformung aufnehmen und in den Untergrund ableiten. Sie sind schneller einzubauen und bei innerstädtischen Maßnahmen oft bevorzugt. Starre Fahrbahnen aus Betonplatten verteilen Lasten über eine hohe Biegesteifigkeit auf eine größere Fläche. Sie sind besonders widerstandsfähig gegen Spurrinnenbildung bei hohen Verkehrslasten, etwa an Bushaltestellen oder in Hafengebieten, und zeichnen sich durch eine sehr lange Nutzungsdauer aus.
Der California Bearing Ratio (CBR)-Versuch nach DIN 18134 ist das zentrale Verfahren zur Beurteilung der Tragfähigkeit des anstehenden Untergrunds oder von Erdbaustoffen. In Kiel ist er essenziell, um die stark variierenden Böden von tragfähigem Geschiebemergel bis zu setzungsanfälligem Klei zu klassifizieren. Der ermittelte CBR-Wert bestimmt maßgeblich die erforderliche Dicke des frostsicheren und tragfähigen Straßenoberbaus gemäß den Vorgaben der RStO.
Schleswig-Holstein und damit auch Kiel gehören zur Frosteinwirkungszone II mit einer hohen Anzahl von Frosttagen. Die wasserempfindlichen bindigen Böden wie Geschiebemergel neigen unter Frosteinwirkung zu Eislinsenbildung und Hebungen. Nach dem Auftauen entstehen dann oft Tragfähigkeitsverluste und Schlaglöcher. Die RStO schreibt daher zwingend eine ausreichend dicke Frostschutzschicht vor, deren Dimensionierung auf der lokalen Frosteindringtiefe und der Wasserdurchlässigkeit des Untergrundes basiert.
Eine umfassende Begleitung beginnt mit der Baugrunderkundung durch Kernbohrungen und Sondierungen, gefolgt von bodenmechanischen Laborversuchen zur Klassifikation und Festigkeitsbestimmung. Darauf aufbauend erfolgt die erdstatische Bemessung des Oberbaus und die Erstellung des geotechnischen Berichts. Während der Bauausführung umfasst sie die Qualitätssicherung durch Plattendruckversuche auf Erdplanien und ungebundenen Tragschichten sowie die verdichtungstechnische Überwachung, um die vertraglich geforderten Tragfähigkeitswerte nach ZTV E-StB nachzuweisen.