In Holtenau steht der Sand direkt an, in Gaarden muss man mit mächtigen Auffüllungen rechnen. Dazwischen liegt ein Stadtgebiet, das eiszeitlich geprägt ist. Für uns bedeutet das: Jede Baustelle braucht eine klare Aussage über den Untergrund, bevor die erste Baggerschaufel ansetzt. Die Korngrößenanalyse liefert später die Bestätigung, aber zuerst brauchen wir ein zerstörungsfreies Bild der Schichtung. Genau dafür setzen wir die Vertikale Elektrische Sondierung ein. Kiel mit seinen Fördehängen, Niederungen und der Schwentine-Aue verlangt ein Verfahren, das Übergänge zwischen Sand, Geschiebemergel und organischen Lagen sicher trennt. Die elektrische Widerstandsmessung zeigt uns diese Grenzen, ohne den Boden aufzugraben.
Mit der VES erkennen wir Torflinsen und Salzwasserfronten, bevor der Bagger den ersten Kubikmeter aushebt.
Unser Ansatz
Kiel liegt im Bereich der Weichsel-Kaltzeit. Die oberen 10 bis 30 Meter bestehen meist aus Sandersanden, unterlagert von Geschiebemergel, darunter folgen tertiäre Tone. Entscheidend ist der Grundwasserstand, der in Ufernähe oft nur 1 bis 2 Meter unter GOK liegt. Die VES misst den scheinbaren spezifischen Widerstand in mehreren Tiefenstufen. Sand mit Süßwasser zeigt hohe Widerstände über 200 Ohm·m. Geschiebemergel liegt bei 30 bis 80 Ohm·m. Torf und Klei fallen unter 25 Ohm·m. Und Salzwasser, das im Bereich der Kieler Förde in tiefere Grundwasserleiter drückt, senkt den Widerstand drastisch auf unter 5 Ohm·m. Diese Kontraste machen die Methode in Kiel so aussagekräftig. Wir arbeiten mit Schlumberger- und Wenner-Anordnung, je nach geforderter Auflösung und Tiefenreichweite. Pro Sondierungspunkt erfassen wir typisch 5 bis 8 Tiefenniveaus.
Örtliche Baugrundfaktoren
Kiel zählt rund 250.000 Einwohner und ist ein wachsender Hochschulstandort. Jede neue Baugrube im Stadtgebiet muss mit den wechselhaften eiszeitlichen Ablagerungen klarkommen. Die größte Gefahr in Kiel ist der unerkannte Torf. Wer auf Sand gründen will und in 4 Meter Tiefe auf eine 1,5 Meter dicke Muddelinse stößt, hat ein Setzungsproblem, das sich über Jahre zieht. Noch tückischer ist die Salzwasserintrusion entlang der Förde. Salzwasser beschleunigt Korrosion an Stahlbeton und verändert die Tragfähigkeit rolliger Böden. Die VES kartiert diese Risiken flächig, nicht nur punktuell. So erkennen wir Schwachstellen, die eine Bohrung allein übersehen würde.
Fragen und Antworten
Wie tief kann eine VES-Messung in Kiel reichen?
Die maximale Eindringtiefe hängt von der Auslage ab. Mit einer Auslagelänge von 100 Metern erreichen wir in Kiels sandig-mergeligen Böden Erkundungstiefen um 30 Meter. Für größere Tiefen bis 80 Meter setzen wir längere Kabelstrecken ein, sofern die örtlichen Platzverhältnisse es zulassen.
Was kostet eine vertikale elektrische Sondierung?
Die Kosten für eine VES-Messung liegen je nach Anzahl der Sondierpunkte und Auslagelänge zwischen 630 und 830 Euro. Der Preis umfasst die Feldmessung, die 1D-Inversion und den Messbericht mit Schichtenmodell.
Können Sie mit der VES Salzwasser im Grundwasser nachweisen?
Ja, das ist eine der Stärken der Methode. Salzwasser senkt den elektrischen Widerstand drastisch auf Werte unter 5 Ohm·m. In Ufernähe der Kieler Förde kartieren wir damit die Süß-Salzwasser-Grenze und die Ausdehnung der Salzkeile im Untergrund.
Wie viele Sondierpunkte brauche ich für mein Baugrundgutachten?
Das hängt von der Fragestellung ab. Für ein Einfamilienhaus reichen oft zwei bis drei VES-Punkte, um die Schichtung zu klären. Bei Gewerbebauten oder zur Erstellung von Isoohmkarten setzen wir Raster von 5 bis 15 Punkten ein. Die genaue Anzahl legen wir nach Aktenlage und Ortsbegehung fest.